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Ratgeber

Der große Yogamatten-Leitfaden: Material, Dicke, Maße und Griff

Wer eine Yogamatte kauft, entscheidet über fünf Dinge: Material, Dicke, Maße, Gewicht und Oberfläche. Dieser Leitfaden geht sie der Reihe nach durch – mit Richtwerten, die Sie im Laden oder im Onlineshop direkt anwenden können.

Gewebte Baumwollmatten: die traditionelle Form der Yogaunterlage, heute eine Nische neben Kautschuk und Kunststoff.
Gewebte Baumwollmatten: die traditionelle Form der Yogaunterlage, heute eine Nische neben Kautschuk und Kunststoff. Foto: Sha89sha · CC0 · Wikimedia Commons

Material

Eine Yogamatte besteht meist aus bis zu drei Schichten: einer Oberfläche, die Hände und Füße hält, einem Kern, der dämpft, und einer Unterseite, die auf dem Boden haftet. Bei günstigen Matten ist das ein einziges Material, bei teureren ein Verbund.

Oberfläche: Griff, Haptik (PU, Kork, Baumwolle)Kern: Dämpfung (TPE, Naturkautschuk, PVC-Schaum)Unterseite: Bodenhaftung (Profil, Rippen)
  • PVC war das erste Material der modernen „Sticky Mat“. Es ist haltbar und günstig, braucht aber Weichmacher, um biegsam zu sein. Genau diese fielen in Warentests negativ auf.
  • TPE (thermoplastische Elastomere) ist leicht, riecht kaum und kommt ohne Weichmacher aus. Es ist weniger robust: Unter den Fersen bilden sich mit der Zeit Dellen.
  • Naturkautschuk ist schwer, sehr griffig und stabil. Er riecht anfangs deutlich und ist für Menschen mit Latexallergie keine Wahl.
  • Kork wird meist als Oberfläche auf Kautschuk verwendet. Er wird mit Feuchtigkeit eher griffiger als rutschiger.
  • Baumwolle und Jute sind die ältesten Materialien. Sie dämpfen wenig und brauchen oft eine rutschhemmende Unterlage, lassen sich dafür waschen.
  • Polyurethan (PU) findet sich als dünne Deckschicht auf Kautschuk. Es bietet den besten Griff bei Schweiß, ist aber empfindlich gegenüber Sonne und Hautöl.

Mehr zu Umweltaspekten und Schadstoffen steht im Beitrag über umweltfreundliche Yogamatten.

Dicke

Die Dicke ist ein Tauschgeschäft: Mehr Material schont Knie und Wirbelsäule, nimmt aber Standfestigkeit. In einer weichen Matte sinkt der Fuß ein, das Sprunggelenk arbeitet mehr, der Baum wackelt.

1,5 mmReise3 mmFlow, Balance4 mmAllround5 mmStudio, Hatha6 mmKnie-sensibel8 mmPilates10+ mmGymnastikJade: Yogamatten · Mauve: Gymnastik- und Pilatesmatten

Als Richtwerte haben sich eingebürgert: 1,5 bis 2 mm für Reisematten, die man auf eine Studiomatte legt oder im Hotelzimmer auf Teppich nutzt; 3 mm für dynamische Stile mit viel Bodenkontakt; 4 bis 5 mm als Allrounder; 6 mm für empfindliche Gelenke und ruhige Stile. Alles darüber gehört in die Kategorie Gymnastikmatte.

Praxistipp

Wenn nur die Knie schmerzen, muss nicht die ganze Matte dicker werden. Eine gefaltete Decke oder ein Kniepad* unter dem Knie löst das Problem, ohne dass die Balance leidet.

Länge und Breite

Das verbreitete Maß von rund 183 × 61 cm geht auf die ersten industriell gefertigten Matten zurück. Es reicht, solange Kopf und Füße im Liegen auf der Matte Platz haben. Das ist bis etwa 1,80 m Körpergröße der Fall. Wer größer ist, landet in der Endentspannung mit dem Kopf auf dem Boden – und im herabschauenden Hund mit den Händen am Rand.

Standard183 × 61 cmLang200 × 66 cmBreit185 × 80 cm

Lange Matten mit rund 200 cm und breite Matten mit 66 bis 80 cm kosten etwas mehr, sind schwerer und passen schlechter in Taschen. Für die Praxis zu Hause sind sie trotzdem oft die bessere Wahl.

Gewicht

Wer die Matte nur im Wohnzimmer ausrollt, kann das Gewicht ignorieren. Wer sie zweimal pro Woche mit dem Fahrrad ins Studio trägt, nicht. TPE-Matten wiegen um 1 kg, PVC um 1,5 kg, Naturkautschukmatten mit 4 bis 5 mm leicht 2,5 kg und mehr. Für unterwegs gibt es eigene Reisematten.

Oberfläche und Griff

Griff ist das Kriterium, das man online am schlechtesten beurteilen kann. Grundregel: Offenporige Oberflächen nehmen Feuchtigkeit auf und bleiben griffig, geschlossenporige Oberflächen lassen sich leichter reinigen, werden bei Schweiß aber rutschig. Wie Sie Griff einschätzen, steht im Beitrag über rutschfeste Yogamatten.

Aus den Warentests

Die Stiftung Warentest prüfte 2023 neben Schadstoffen auch Rutschfestigkeit, Dämpfung, Feuchtigkeitsaufnahme und Reißfestigkeit. Zwei Yogamatten aus Naturkautschuk fielen dabei als besonders rutschfest auf.

Checkliste für den Laden

Wer eine Matte im Geschäft ausprobieren kann, sollte das nutzen – und zwar nicht nur mit einem kurzen Druck des Daumens. Nehmen Sie sich fünf Minuten und gehen Sie diese Punkte durch:

  1. Hochheben: Wie schwer ist die Matte gerollt? Stellen Sie sich vor, Sie tragen sie zwanzig Minuten.
  2. Ausrollen: Liegen die Enden sofort flach oder rollen sie sich zurück? Neue Matten dürfen etwas Zeit brauchen, aber nicht ewig.
  3. Knien: Gehen Sie in den Vierfüßlerstand. Spüren Sie den Boden unter den Kniescheiben?
  4. Stehen: Stehen Sie auf einem Bein. Sinkt der Fuß ein, wird die Balance schwer.
  5. Schieben: Hände flach auflegen und nach vorn schieben – einmal trocken, einmal mit angefeuchteten Händen.
  6. Riechen: Ein leichter Geruch nach Gummi ist bei Kautschuk normal. Ein stechend chemischer Geruch ist ein Warnzeichen.

Online kaufen, ohne blind zu kaufen

Online fehlt der Tastsinn. Achten Sie deshalb auf vollständige Angaben: Material jeder Schicht, Maße, Dicke und Gewicht. Fehlt das Gewicht, ist das oft kein Zufall – schwere Matten verkaufen sich schlechter. Ein Rückgaberecht, das auch benutzte Matten einschließt, ist Gold wert. Probieren Sie die Matte in den ersten Tagen zu Hause mit den Haltungen aus, die Sie am häufigsten üben, bevor Sie Etiketten entfernen.

Die Entscheidung in drei Schritten

  1. Legen Sie den Einsatz fest: zu Hause, Studio, unterwegs, Hot Yoga.
  2. Wählen Sie Dicke und Länge nach Körper und Stil.
  3. Entscheiden Sie dann erst über Material und Budget.

Wer so vorgeht, braucht keine Bestenliste – und merkt schnell, welche Matten in der engeren Auswahl überhaupt noch infrage kommen.

Quellen und weiterführende Links