Yogastil
Acro Yoga: Yoga, Akrobatik und Vertrauen
Eine Person liegt auf dem Rücken, die andere balanciert auf ihren Füßen in der Luft: Das ist das bekannteste Bild des Acro Yoga. Der Stil verbindet Yoga, Akrobatik und eine Portion Heilkunst – und stellt an Unterlage und Vertrauen besondere Anforderungen.
Was Acro Yoga ist
Acro Yoga ist eine Partnerpraxis. Sie verbindet Haltungen aus dem Yoga mit Elementen aus der Partnerakrobatik und oft mit therapeutischen Anteilen wie Massage oder passiven Dehnungen. Als eigene Bewegung verbreitete sich Acro Yoga Anfang der 2000er-Jahre in Nordamerika, heute gibt es in vielen Städten offene „Jams“, bei denen sich Menschen zum Üben treffen.
Die drei Rollen
- Base: Liegt meist auf dem Rücken und trägt die andere Person mit Füßen und Händen. Braucht stabile Beine und gerade gestapelte Gelenke, weniger rohe Kraft.
- Flyer: Wird getragen und nimmt Haltungen in der Luft ein. Braucht Körperspannung und Vertrauen.
- Spotter: Steht daneben, sichert und korrigiert. Die unterschätzteste Rolle – bei neuen Übungen ist sie Pflicht.
Erste Übungen
- Flieger (Front Bird): Die Base legt die Füße an die Hüftknochen des Flyers, der Flyer lehnt sich mit gestrecktem Körper nach vorn. Die Base streckt die Beine senkrecht.
- Thron: Der Flyer sitzt aufrecht auf den Fußsohlen der Base.
- Therapeutischer Flug: Der Flyer hängt entspannt über den Füßen der Base, Arme und Kopf baumeln – eine passive Umkehrhaltung.
Aufgepasst
Üben Sie neue Figuren immer mit Spotter und beginnen Sie nicht in Höhe. Wer Rücken-, Hüft- oder Schulterprobleme hat oder schwanger ist, spricht vorher mit Ärztin oder Arzt.
Welche Unterlage?
Eine einzelne Yogamatte ist für Acro zu schmal: Der Flyer kann seitlich herunterkommen, und die Base braucht Platz, um sich zu bewegen. Geeignet sind große Trainingsmatten, Puzzlematten aus Schaum oder zwei nebeneinandergelegte Yogamatten, die nicht verrutschen. Die Unterlage sollte fest sein – eine zu weiche Fläche lässt die Base einsinken und macht das Tragen instabil.
Draußen üben viele auf Rasen. Das ist weich, aber uneben; kleinere Figuren gelingen dort gut, anspruchsvolle eher nicht.
Vertrauen und Kommunikation
Acro Yoga funktioniert nur mit klarer Sprache: „Bereit?“, „Runter!“, „Stopp!“. Viele Gruppen vereinbaren Signale. Der Flyer bestimmt, wie weit es geht. Wer mit Fremden übt, klärt vorher, welche Berührungen in Ordnung sind.
Lernen in der Gruppe
Acro Yoga lernt man am besten in einem Kurs oder bei einem offenen Treffen, wo erfahrene Praktizierende helfen. Dort gibt es Spotter, Anleitung und Menschen unterschiedlicher Größe, mit denen man üben kann. Viele Gruppen treffen sich im Sommer in Parks, im Winter in Turnhallen oder Studios.
Aufwärmen
Vor dem Fliegen gehört eine Aufwärmphase dazu: Schultern, Handgelenke und Hüften mobilisieren, Rumpfspannung aktivieren, etwa mit Brett und Bootshaltung. Viele Gruppen üben vorher gemeinsam einige Yogahaltungen. Kalt in eine Figur zu gehen, belastet Gelenke unnötig.
Kleidung
Enge, rutschfeste Kleidung ohne Reißverschlüsse und Knöpfe ist ideal. Weite Shirts rutschen in Umkehrhaltungen über den Kopf, glatte Stoffe machen es der Base schwer, den Flyer zu halten. Barfuß üben ist Standard; Schmuck gehört abgelegt.
Voraussetzungen
Grundkenntnisse im Yoga helfen, sind aber keine Bedingung. Nützlich sind Körperspannung, etwa aus dem Brett, und Erfahrung mit Balancen wie der Krähe. Wer es ruhiger angehen möchte, beginnt mit Partneryoga, bei dem beide Personen am Boden bleiben.